Tutorium: Einführung in die Linguistik / Bianca Kindler

Europa-Universitat Frankfurt/Oder Kulturwissenschaftliche Fakultat
Tutorium: Einfuhrung in die Linguistik (Rosenberg) Tutor: Clara Kindler

Exzerpt: John R. Searle „Was ist ein Sprechakt? (1972)

In folgendem Text wird das Einleitungskapitel von John R. Searle „Was ist ein Sprechakt?“ (1972) exzerpiert.
Als erstes beschreibt Searle die physischen Aspekte eines Sprechakts, also die Bewegungen und Ablaufe im Körper wenn wir sprechen. Danach geht er kurz auf andere Aspekte ein die berucksichtigt werden könnten, wie die Reaktionen des Zuhörers. Worauf er zu den illokutionaren Akten kommt und beschreibt um welche Verben es sich dabei handeln soll, feststellen, behaupten, fragen, fordern, warnen, beschuldigen, bewerten, versprechen, ect.

Als nachstes wird erlautert, warum das Verstandnis des Sprechens als Akt wichtig ist. Dazu geht Searle auf ein Beispiel aus der strukturalistischen Linguistik ein; das Symbol (ein gedankliches Bild zu einem Wort das als allgemeingultige Funktion zur Kommunikation dient) als Einheit der Sprache. Searle behauptet der illokutionare Akt sei die kleinste Einheit sprachlicher Kommunikation und deswegen von Bedeutung.

Als Beispiel fur die Wahrhaftigkeit eines illokutionaren Akts zieht Searle die schriftliche oder sprachliche Kommunikation im Gegensatz zu Naturphanomenen heran. Jede Art der Kommunikation dient einem bestimmten Zweck, Nachrichten implizieren immer eine zielgerichtete Absicht. Wasser, Steine, Baume und ahnliche sind nicht von Menschen hergestellt und implizieren keine Botschaft in dem Sinne wie die Hieroglyphen der Maya es tun.
Ein illokutionarer Akt wird als eine regelgeleitete Form von Verhalten beschrieben, ahnlich den Regel eines Brett-, Karten- oder Sportspiel. Es wird versucht die Bedingungen fur die Verwendung semantischer Regeln zu beschreiben, um die Äusserung als einen bestimmten Sprechakt sichtbar zu machen.

Der Ausgangspunkt, der konkrete Bedingungen aufzeigt wodurch Regeln abgeleitet werden können, muss unter drei Begriffen im Bezug zum Hauptthema diskutiert werden: „Regel“, „Proposition“ und „Bedeutung“.
Nachdem der Autor die Wichtigkeit von Regeln in der Linguistik in seinem Glauben hervorhebt und sich von den Skeptikern abgrenzt, unterscheidet Searle zwei Sorten von Regeln:

  • Regulative Regeln wie Höflichkeitsformen und zwischenmenschliche Verhaltensformen.
    Sind Tatigkeiten die von den Regeln unabhangig existieren. Beispielfrage: „Wie kann ein Versprechen eine Verpflichtung schaffen?“
  • Konstituierende Regeln die eine Tatigkeit erst als solche definieren.
    Sind Tatigkeiten die von den Regeln abhangig sind. (z.B. Foodball- Spielregeln) Beispielfrage: „Wie kann ein Aufsetzer eine sechs Punkte einbringen?“Als nachstes beschreibt Searle die Proposition an einem konkreten Beispiel. Es werden die gleichen Wörter jeweils in funf Satzen wiedergegeben, jeder Satz sagt zum Teil das

gleiche aus aber die jeweilige Intension des Satzes andert sich mit der Reihenfolge und der Betonung der Wörter. Also schlagt Searle vor den Teil der die Aussage die bei alles Satzen gleich bleibt, als „Proposition“ zu definieren.

Im folgenden wird die „Bedeutung“ als etwas besonderes in der Sprache hervorgehoben, also dass nur etwas gesagt wird wenn man damit etwas meint und ausdrucken möchte. Zum Beispiel versucht man mit einer Behauptung dem Zuhörer die Wahrheit einer Proposition mitzuteilen und damit eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

Die erzielte Wirkung kann nur unter Verwendung bestimmter sprachlicher Regeln erreicht werden, diese Annahme ist Ausschlaggebend fur die Analyse des illokutionaren Aktes.

Auf den folgenden Seiten wird das „Versprechen“ anhand von 9 Bedingungen untersucht.

  1. Sprecher und Hörer sind physisch und geistig in der Lage ernsthaft zu kommunizieren. (Normale Ein-Ausgabebedingungen)
  2. Isolationder Proposition um die Aufmerksamkeit auf den illokutionaren Akt zu lenken. (Bedingung des propositionalen Inhalt)
  3. Feststellung des Versprechens als eine zukunftsgerichtete Handlung oder auch das Versprechen etwas nicht oder mehrfach zu tun.
    (Bedingung des propositionalen Inhalt) 
  4. Unterscheidung eines Versprechens zu einer Drohung erfolgt durch ein vom
    Zuhörer gewunschtes Handeln, dass vom Sprecher als solches erkannt wird.
    (Einleitungsbedingung)
  5. Für den Sprecher und Hörer ist nicht offensichtlich, dass das versprochene ohne hin ausgefuhrt werden wurde. (Einleitungsbedingung)
  6. Bedingung der Aufrichtigkeit, besagt dass der Sprecher beabsichtigt das versprochene wirklich zu tun.
  7. Bei einem Versprechen wird eine Verpflichtung vom Sprecher übernommen.(Wesentliche Bedingung)
  8. Der Sprecher nutzt die Bedingungen 6 und 7 um den Hörer von der Aufrichtigkeit des Versprechens zu überzeugen.
  9. Nur wenn die Bedingungen 1-8 erfullt werden, kann das Versprechen korrekt und Aufrichtig geäußert werden.

Searle, John R.(1972): „Was ist ein Sprechakt?“ In: Holzer, Horst, Steinbacher, Karl (Hrsg.): Sprache und Gesellschaft. Hamburg: Hoffmann und Campe (1996): S. 153-173.

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